Auf dem Dorfe – man möge mir die Anlehnung an Gottfried Keller verzeihen. Aber, es klingt so herrlich altertümlich und vor dem geistigen Auge – aus dem Fundus alter Filme – entsteht ein Bild von staubigen Strassen über die Gänseherden marschieren, in denen Menschen in unsauberer Kleidung mit seltsamen Arbeitsgeräten Tätigkeiten verrichten, von denen kein Mensch mehr weiss, wozu sie gedient haben.

Anna war neugierig; sie hatte im Film eine ähnliche Strassenszene gesehen und noch viele weitere mit polternden Bauern die mit groben Stiefeln auf knarrende Dielenböden traten und mit Bäuerinnen die in „schwarzen Kucheln“ grosse hölzerne Löffel und unförmige Eisenkessel bedienten. Anna hat gefragt: Was machen die da, wozu ist das gut, waren die wirklich so? Und sie hatte Opa gefragt: “War das bei dir auch so? Er zuckte mit den Schultern.

Opa war in einer bürgerlichen Familie in der Stadt aufgewachsen und hatte das alles selbst nicht erlebt. Also dachte ich mir, wenn Anna schon mal fragt… und packte die Familie ins Auto damit wir uns „das Dorfe“ ansehen.

Museumdorf Niedersulz: zwar nicht schweizerisch wie bei Gottfried Keller dafür aus ganz Niederösterreich. Bauernhäuser, Stadeln, Keuschen, Mühlen, Werkstätten, Sacherln. Gefüllt mit Möbeln, Pfannen, Geschirr und „Wäsch“.

So eingerichtet wie anno dazumal und frei begehbar und beschaubar. Die Familie Häshtäg und ich sind ganz erstaunt, als wir das moderne Eingangsgebäude sehen. So ganz nach Bauerdorf sieht es hier noch nicht aus. Anna liebt Zahlen; sie zählt die Likes, die Kommentare, die Posts. Zahlen gibt’s hier ordentlich: 80 Häuser und Häuserln, 30 Gärten und 22 Hektar Museumsfläche. 30 Gärten – Mama Häshtäg ist die Freude anzusehen. Gut, dass wir noch „in der Bliah“ da sind, da kann man die prächtigen Bauerngärten noch in den schönsten Farben bewundern. „Kannst Dir reinziehen“ wie Anna sagt. LOL!

Dann wünscht sich Mama ab dem ersten Bauerngarten einen Führer der ihr erzählt, was wie wann warum und zu welchem Nachbarn gepflanzt wird. Oder eine App, wie sie in der Secession schon war oder im Gembira Loka Zoo. Da könnte man auch gut Gartentipps geben und Videos zeigen vom Zurückschneiden und Aussetzen und Vereinzeln und „von den Schnecken, die alles wieder fressen“ – feixt Anna.

Doch der geht es im ersten Haus gleich an den Kragen. Das alte Schulgebäude aus Gaiselberg. Mit den alten zerschundenen Bänken, mit Tintenfass-Loch, mit Kreide und Schiefertafel statt Computer und Beamer. Und mit Klassenzimmern wo Schüler aus acht Altersstufen gemeinsam unterrichtet worden sind. „Hä?!“ tönt Anna.

In einem Oroundo Guide könntest Du jetzt so eine alte Schulstunde mal hören, sagt Mama, da hat der Lehrer noch gesagt wo es lang geht und du hättest gekuscht.“ „Hättst wohl gern“, und fliegt pfeilschnell in die Gegenrichtung. Opa muss warten, bis die Mama und Anna fertig sind mit ihrer Diskussion; er muss sich nämlich die Tafeln vorlesen lassen, da er nicht mehr gut genug sieht. „Ohrstöppel rein, Guide an, und wir haben unsere Ruhe“ ist der launige Kommentar von Anna.

Da könnte Opa in aller Ruhe und nach seinem Tempo durch das Dorf spazieren – und wenn er sich einem Gebäude nähert wo es was zu erzählen gibt, schlägt seine Oroundo App Alarm und erzählt. Nach einer Weile und „dem fünfundzwanzigtausendsten bemalten Bauernkasten“ wie Anna ungerechterweise bemerkt, wird unserer Jüngsten langweilig. Gottseidank bietet das kleine Kastl PokemonGo als Alternative.

Die sollten für Anna ein BauernmonGo als Alternative haben. Bevor sie sich immer den  reinzieht. „Jag den Holzknecht“ pfeift Anna anzüglich zurück. „Im Heustadl rennen die rum wie Ameisen – SWAG!“. „Könnte die Oroundo App“ wage ich als Unbeteiliger in Sachen Intelligenz auch mal einzuwerfen. „Was mir einen Holzknecht verschaffen ?“ Sendepause – Offlinestatus!

Opa Häshtäg ist inzwischen nicht mehr da. „Der braucht keinen Oroundo Guide mehr, der hat einen Geriatriguide gefunden“ bemerkt Anna, als wir ihn wieder entdecken. Mit einem von den Führern, der auch schon mal ein respektable Alter erreicht hat – und viel von „damals“ zu erzählen weiß, ins Gespräch vertieft.

„Wia Du vom Kriag erzöht host, wo du an Russn Aug in Aug gegnübergstandn bist“ feixt diesmal Mama im Stil von Anna, den „Grossvoda“ von STS zitierend. Anna dreht sich weg: „Peiiiinlich“ Bilder knipsen für Facebook und für die PictureWall bei Oroundo, damit auch die Freunde in Chile und in Indonesien wissen, was ein gstandenes österreichisches Bauernhaus so kann.

Mama freut sich schon auf die Kommentare zu den Bauerngärten. Filzhut für Opa Häshtäg aus dem interessanten Shop – da drauf steht Weinviertel. Wir fahren durch die lyrische Weinviertler Landschaft wieder Richtung Daheim. Und aus den Vorschlägen der Oroundo App wissen wir, dass wir wiederkommen müssen, um die anderen „Ausflugsziele mit Pfeffer“ in der Gegend zu besuchen.

Bild (c) Günther Z. / Wikimediacomms